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Home The News „Die Naturmedizin ist ein Kulturerbe, das auch dem Verbraucherschutz dient!“

„Die Naturmedizin ist ein Kulturerbe, das auch dem Verbraucherschutz dient!“

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3. Europäisches Symposium „Naturmedizin in Europa – quo vadis“ in Frankfurt

Schöneck/Frankfurt, November 2008 – „Verbraucherschutz ist wichtig, aber der informierte Patient muss auch weiterhin selbst entscheiden dürfen, mit welcher Therapie oder welchem Medikament und ob er naturmedizinisch behandelt werden möchte. Die europäischen Verbraucher und Patienten sollten deshalb mehr in die politische Gestaltung der allgemeinen Gesundheitswirtschaft mit einbezogen werden“, lautet in kurzen Worten das Fazit von Nora Laubstein, Vorsitzende und Organisatorin des 3. Europäischen Symposiums der Association of Natural Medicine in Europe (ANME e.V.)
„Traditionell bewährte Arzneimittel und eine kompetente Ausübung überlieferter und weiterentwickelter Naturheilverfahren müssen deshalb europaweit erhältlich bleiben!“


Die nationalen Gesundheitsbehörden arbeiten schon seit geraumer Zeit an einer integrierten Gesundheitsstrategie für Gesamteuropa, die auch die Komplementär- oder Naturmedizin, kurz CAM (Complementary and Alternative Medicine) genannt, nicht unberührt lässt. Das Interesse an komplementär-alternativmedizinischer Behandlung nimmt in Deutschland, wie Umfragen immer wieder bestätigen, weiter zu.

Seit Jahren ist jedoch von verschiedenen Seiten in der Gesundheitswirtschaft unter dem Stichwort „Verbraucherschutz“ eine systematisch angelegte Verdrängungsstrategie gegenüber der CAM zu registrieren. Das Naturmedizin-Netzwerk „Association of Natural Medicine in Europe e.V.“
veranstaltete deshalb am Samstag, den 1. November 2008, zum dritten Mal in Folge das europäische Symposium „Naturmedizin in Europa – quo vadis?“ in Frankfurt/Main.

Unter der aktuellen Fragestellung „Verbraucherschutz auf Kosten der Tradition?“ berichtete Maria Walcher, UNESCO-Kommission Österreich, über die seit 2006 bestehende „Nationalagentur für das Immaterielle Kulturerbe“, die u. a. die Überlieferung und Sicherung traditioneller Heilmethoden diskutiert.

„Der Austausch von Wissen ist die Grundlage immateriellen Kulturerbes. Das Wissen und die Praktiken im Umgang mit Natur und Universum macht traditionelle Heilmethoden zu immateriellem Kulturerbe.“
Die Sicherung des Kulturerbes ist ein allgemeiner Konsens in einer modernen Gesellschaft. Dies haben die UNESCO schon 2003 (Konvention zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2004 erkannt und eine Bündelung der Kräfte zur Erhaltung der
traditionellen Heilmethoden gefordert.

In Österreich laufen derzeit zwei Forschungsprojekte, die einerseits eine Sichtung des derzeitigen komplementärmedizinischen Angebots in der Alpenrepublik vornehmen und andererseits die
Registrierung traditioneller pflanzlicher Arzneimittel nach EU-Standard ermöglichen.

Karl-Heinz Sekatsch-Winkelmann von der Bundesarbeitsgemeinschaft Patientenstellen deutete auf eine unheilvolle Entwicklung zur Zwei-Klassen-Medizin hin, bei der sich, trotz steigendem Interesse bei den Patienten, immer mehr Menschen eine naturmedizinische Behandlung nicht mehr leisten können. „Die seit Jahren erkennbare, systematisch und mittelfristig angelegte Verdrängungsstrategie wird über eng definierte Produktstandards der EU und vorgeblichen Verbraucherschutz identifizierbar“, so Winkelmann und zeigt den verhängnisvollen Trend vom Gesundheitswesen hin zur reinen Gesundheitswirtschaft.

Nand de Herdt von der European Coalition on Homeopathic and Anthroposophic Medicinal Products (ECHAMP) schilderte die Zukunft der CAM-Arzneimittel am Beispiel der Homöopathie und Anthroposophie in Europa. „Wenn die Verbraucher die Chance haben, dann nutzen sie die Naturmedizin“, lautete seine Erkenntnis, die durch EU-Zahlen belegbar sei, und forderte die weitere Unterstützung des „informierten Patienten“.

Dieser Forderung trat auch Colette Pradelle, Präsidentin der APMA (Association de Patients de la Medecine Anthroposophique) und Mitglied der Europäischen Föderation von Patientenverbänden für die Anthroposophische Medizin (EFPAM), zur Seite und stellte unter dem Thema „Verantwortliche Patienten, engagierte Verbraucher“ die aktuelle Situation und die Arbeit eines Patientenverbands in Frankreich dar.

Der moderne Patient lehne es Ihrer Meinung nach mittlerweile ab, von der Schulmedizin nur noch „behandelt“ zu werden. Die Menschen wollen sich auch nicht mehr nur als „physiologische Mechanismen“ betrachtet wissen. „Individuelle und menschliche Aspekte werden nicht genügend beachtet, da sich die Schulmedizin zwar dem Körper angenähert hat, sich aber gleichzeitig vom Menschen immer weiter entfernt“, so Pradelle. Das sei besonders bei den Jugendlichen fest zu stellen, die sich wieder zunehmend für die CAM interessieren.

Frans Copers von der European Shiatsu Federation beschrieb die Situation in den Niederlanden und Belgien, die seiner Meinung nach nicht unterschiedlicher sein könnte: die Niederlande sind auf CAM bezogen kreativer und offener als das medizinisch doch eher konservativ eingestellte Belgien.

„Auf der anderen Seite haben Erhebungen ergeben, dass Komplementär- und Naturmedizin in Belgien mehr genutzt wird als in den Niederlanden, obwohl in beiden Ländern, wenn, dann nur private Krankenversicherungen beschränkte Leistungen anerkennen und Zahlungen leisten“
, so Copers.

Igors Kudrjavcevs von der Universität Riga referierte über den aktuelle Forschungen und den Status der CAM in osteuropäischen Ländern wie Estland, Ungarn, Litauen, Rumänien und Slovenien. Er vertrat die Meinung, dass „Feldforschung“ nötiger wäre als „Literaturrecherche“.
Wissenschaftlich fundierte Studien und öffentliche Aufklärungsarbeit könnten die wenig harmonischen Beziehungen der CAM-Anwender zu den Behörden und Regierungen in den betreffenden Ländern fördern. Der Konsens sei wichtig, als beispielhaft nannte Kudrjavcevs die Entwicklung in Italien, wo verschiedenste CAM-Organisationen im Jahr 2003 ein „Consensus-Papier“ unterzeichnet haben.

Resumee:
Der bisherige Erfolg der Veranstaltungsreihe „Naturmedizin in Europe - quo vadis?“, die im zweijährigen Turnus in der Mainmetropole stattfindet, beruht auf ihrer interdisziplinären Ausrichtung, die eine grenzüberschreitende Bedeutung hat. Auch dieses Mal stellte das ANME-Symposium ein aktuelles Forum der europäischen Naturmedizin dar und zeigte die gegenwärtige Position der CAM im europäisch-nationalen Spannungsfeld zwischen Gesundheitspolitik und –versorgung auf.

Als Teilnehmer hatten sich Vertreter nationaler und europäischer Politik, Patienten- und medizinische Berufsverbandsvertreter aus den EU-Ländern angemeldet.

Die Association of Natural Medicine in Europe e.V. (ANME) ist eine NGO (Nichtregierungsorganisation) und versteht sich als ein europäisches Netzwerk, das sich für die Naturheilkunde bzw. komplementäre und alternative Medizin (CAM) europaweit einsetzt. ANME besteht aus naturmedizinisch ausgerichteten Organisationen und Berufsverbänden, biologisch-pharmazeutischen Unternehmen, naturheilkundlich arbeitenden Therapeuten und engagierten Einzelpersonen in ganz Europa, die gemeinsam an einer starken Position für die Naturheilkunde in Europa arbeiten, um die Zukunft der Naturmedizin in Europa zu gestalten und zu festigen.

Quelle und weitere Informationen unter www.anme.info


 
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