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Strahlenschutzkommission relativiert Studienergebnisse wider besseres Wissen

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Kinderkrebs um Atomkraftwerke

"Wie erwartet versucht die Strahlenschutzkommission von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel die Studie zu den erhöhten Kinderkrebsraten in der Umgebung deutscher Kernkraftwerke zu relativieren"
, kritisiert Reinhold Thiel von der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW die heute veröffentlichte Stellungnahme der Strahlenschutzkommission (SSK) zur so genannten KiKK-Studie.

"Obwohl das Studiendesign von allen an der Studie direkt und indirekt beteiligten Experten im Grundsatz unterstützt und die Seriosität der Studie immer wieder auch vom Bundesamt für Strahlenschutz betont wurde, übt nun die Strahlenschutzkommission Kritik am Studien-Design, ganz offensichtlich nur deswegen, weil ihr das Ergebnis der Studie nicht gefällt.

Die Strahlenschutzkommission schützt mit dieser Stellungnahme nicht die Bürgerinnen und Bürger, sondern die Atomindustrie."


Für Thiel ist es insbesondere auch nicht verständlich, dass die Strahlenschutzkommission versucht, den Blick auf einen 5-Kilometer-Umkreis um die deutschen Kernkraftwerke zu verengen. "Die außer von der Strahlenschutzkommission sonst von allen Experten gelobte, so genannte KiKK-Studie hat eindeutig nachgewiesen, dass in einer Entfernung bis zu 50 Kilometern um Atomkraftwerke Kinder verstärkt an Krebs erkranken."

Die IPPNW kritisiert ferner, dass die Strahlenschutzkommission verharmlosend die "natürlichen Strahlenexpositionen im Untersuchungsgebiet" durch Atomkraftwerke heranziehe.

"Die Kommission unterscheidet gegenüber der Öffentlichkeit nicht zwischen der natürlichen Strahlung, die unsere Körper vornehmlich von außen trifft, und der Aufnahme hochgefährlicher Radionuklide, die aus Atomkraftwerken freigesetzt werden und vom Menschen über die Luft und die Nahrung aufgenommen werden können", kritisiert Thiel.

"Im ungünstigen Fall kann bereits ein einziges im Körper aufgenommenes radioaktives Partikel eine Krebsentwicklung auslösen. Deshalb ist es mittlerweile unstrittig, dass es keine Schwellendosis für Schäden durch Radioaktivität gibt."

Die IPPNW weist darauf hin, dass die Stellungnahme der Strahlenschutzkommission, die heute von Wolfgang-Ulrich Müller, Professor für Strahlenbiologie im Institut für medizinische Strahlenbiologie der Universität Essen, in Berlin erläutert wurden, in Widerspruch zu dessen eigenem Kenntnisstand steht.

"Müller kennt als Strahlenbiologe sehr genau die wissenschaftliche Diskussion um die Niedrigstrahlung"
, so Diplom-Biologe Henrik Paulitz, Atomenergie-Experte der IPPNW.

Auf der vom Bundesumweltministerium am 19. Juni 2007 in Berlin ausgerichteten Konferenz "Neue Erkenntnisse zur Wirkung der Strahlung auf den Menschen - die neuen ICRP-Empfehlungen" habe Prof. Müller dargelegt, über welche Mechanismen selbst niedrigste Strahlendosen zu Krebs führen können, so Paulitz.

Müller verweist in seinem Vortrag auf zahlreiche bekannte biologische Faktoren, auf denen die Strahlenempfindlichkeit im Niedrigstrahlenbereich (unter 100 Millisievert) beruht. Einige wie etwa der "Bystander effect" könnten ein erhöhtes Risiko bei Niedrigstrahlen erklären. Auch könnten fehlerhafte Zellreparaturen nach einer Strahleneinwirkung zur Entstehung von Tumorzellen führen. Die Strahlenwirkung im Niedrigstrahlenbereich sei nicht unbedingt linear, vielmehr könnten ganz bestimmte niedrige Strahlendosen große Wirkungen entfalten.

Laut Müller ist die Strahlenempfindlichkeit von Embryonen in der Frühphase der Schwangerschaft groß
. Beispielsweise bestehe schon bei 10 Millisievert ein statistisch signifikant erhöhtes Leukämierisiko während der Schwangerschaft. Im Vergleich zum Erwachsenen im mittleren Alter weisen bestimmte Altersgruppen eine höhere Strahlenempfindlichkeit auf, unter anderem Kinder, Jugendliche und Frauen unter 30 Jahren. Generell seien Frauen strahlenempfindlicher als Männer. Durch Radioaktivität bekämen sie häufiger Speiseröhren-, Magen-, Dickdarm-, Leber-, Lungen-, Brust- und Blasenkrebs.
Müller weist laut IPPNW ferner auf die individuellen Unterschiede bei der Strahlenempfindlichkeit hin.

"Die auf dem Durchschnitts-Erwachsenen basierenden Strahlenschutzgrenzwerte stehen insofern massiv in Frage", so Diplom-Biologe Henrik Paulitz, Atomenergie-Experte der IPPNW.

Die Vorsitzende der IPPNW, Dr. Angelika Claußen, weist darauf hin, dass die Behörden schon in der Vergangenheit immer wieder "das tatsächliche Strahlenrisiko unterschätzt haben - auf Kosten vieler Menschenleben."

Claußen verweist in diesem Zusammenhang auf die Aussage von Professor Müller auf dem 13. Deutschen Atomrechtssymposium im Dezember 2007, wonach keiner "das wirkliche Ausmaß des Krebsrisikos im Dosisgrenzwertbereich unseres Strahlenschutzsystems" kenne. Claußen: "Die Strahlenschutzkommission vermittelt mit ihrer Stellungnahme insofern eine Sicherheit bei der Bewertung des Strahlenrisikos, die schlichtweg nicht besteht."

Claußen erinnert daran, dass die ungewöhnlich aufwändige Kinderkrebs-Studie vom Mainzer Kinderkrebs-Register durchgeführt wurde, das für seine atomenergie-freundliche Grundhaltung einschlägig bekannt ist.

"Das zentrale Ergebnis der unbestreitbar seriösen Studie lautet, dass Kinder umso häufiger an Krebs und Leukämie erkranken, je näher sie an einem Atomkraftwerk wohnen."


Die im Zusammenhang mit der Studie erhobenen Fakten weisen laut IPPNW alle auf eine Schlussfolgerung hin: "Kernkraftwerke verursachen Krebs."

Vgl. IPPNW-Pressemitteilungen vom 8. Oktober 2008 sowie vom 11. Februar 2008

Kontakt: Reinhold Thiel, Tel. 0176-51164195, Dr. Angelika Claußen, Tel. 0521-152213 oder 0172-5882786^,
Henrik Paulitz, Tel. 0621-39 72 668, Sven Hessmann, Pressereferent, Tel. 030-69 80 74-14

Quelle: IPPNW  ^

 
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